‘Zucht’hunde/Hundemütter – Leben und Angst im Zwinger

Solange es Menschen gibt die ‚Billig’welpen kaufen  wird das Leid der ‘‚Zucht’hündinnen nicht weniger.

Bitte bedenken Sie es bei der Auswahl des Züchters, Mitleid ist selten ein guter Berater beim Kauf eines Welpen.

Wie stellt sich man sich das Leben dieser Zuchthündinnen in der  Vermehrung  vor, das einzig und alleine von Menschen zur Welpenproduktion und somit auch zur Vermehrung des Geldes benutzt wurde?

Liebevolle Hände die streicheln, Stimmen die ein Hundeleben begleiten und führen, ein weicher und warmer Platz in der in der Nähe der Menschen, regelmäßiges und gutes Futter und falls erforderlich, medizinische Vor- und Versorgung.

Spaziergänge durch Wald und Feld, spielen, das Leben erschnüffeln und erkunden, menschliche Kontakte.

Nichts oder nur wenig haben die meisten dieser Hündinnen, aber auch ‚Zucht’rüden, davon erfahren.

Ihr Leben verbringen sie meist im Zwinger oder in Scheunen, in einem Kuhstall, wo eine Ecke mit einem Drahtverschlag abgetrennt wurde, im Sommer heiß, im Winter kalt.
Mit etwas Glück gewährt man ihnen Auslauf ins Freie, der wohl eher aus Eigennutz dazu gedacht ist, den Zwinger sauber zu halten.
Weniger wird da an das Wohlbefinden der Hunde oder an menschliche Kontakte gedacht.


Betonboden oder Erde, eine Hütte als Unterschlupf oder eine Palette als Schutz vor der Bodenfeuchtigkeit, meist ohne Sichtkontakt zu den Artgenossen.

In den großen ‚Zucht’anlagen leben sie ‘feudaler’, blanke, kalte Fliesen, Vorzeigeobjekte, mit denen man sich als fortschrittlich präsentiert. ‚Zucht’hündinnen in zweistelliger Anzahl je nach Rasse sind niicht selten, die Nachfrage nach ‚Billig’welpen  und  ‘ach-ich-brauche-keine-Papiere-Welpen’ für die Rassen, die z.Z. in Mode sind, regelt die Produktion.

Nicht selten sind diese Zwinger der Geburts- und Lebensraum der Welpen. Menschliche Kontakte, wichtig in der Prägephase der ersten Lebenswochen der Welpen, wird es kaum geben, auf  Sozialisierung wird kaum oder keinen Wert gelegt. Die menschlichen Kontakte beschränken sich meist auf ein Minimum, finden nicht selten in derber Form statt.

Solange es Menschen gibt, die ‚Billig’welpen kaufen, solange wird das Leid der ‚Zucht’hündinnen nicht weniger.

Futter, welches häufig aus Schlachtabfällen, Kartoffeln und/oder Brot besteht, die spätere Ursache von Mangelerscheinungen und Krankheiten.

Zähne einer ehemaligen Vermehrer’zucht’hündin.
Leavy

Die medizinische Versorgung beschränkt sich oft auf ein Minimum, findet häufig nicht statt, Impfungen eingeschlossen, Gesäugetumore sind häufige Spätfolgen.

Schmerzen durch HD und ED, Arthrose, Auswirkungen der Haltung in den Behausungen und genetische Defekte. Die Hunde müssen mit diesen Schmerzen möglicherweise über Jahre leben.

Bei vielen ist die Muskulatur nur minimal ausgebildet.

Augenerkrankungen, oft über Jahre nicht ausreichend behandelt, als Spätfolge stellt sich eine Erblindung ein.

Zyklen, durch Hormone verkürzt um so häufigere Trächtigkeiten ermöglichen, jeder Wurf bedeutet Geld und Profit.

Zuchtrüden übernehmen den Deckakt triebgesteuert, oft eingesperrt mit der Hündin für die Zeit der Stehttage. Mehrfache Deckakte in dieser Zeit sind nicht selten, dies soll sich angeblich (?) auf die Anzahl der Welpen auswirken. Beinverletzungen bei Hündinnen wurden festgestellt, woher sie rühren, dürfte unschwer zu erraten sein.

Ältere Zuchthündinnen sind erfahrene und bessere Mütter, also lässt man sie möglichst lange in der Produktion. Ein Alter von 7-9 Jahre, bis die Hündinnen abgeben werden, ist nicht selten, 7-8 Würfe und mehr sind möglich.

Viele Ängste entstehen in diesen Jahren, die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

  • Angst vor Leine, Halsband – wurden sie gefesselt, angebunden, zum Deckakt fixiert?
  • Angst vor Stöcken – Besen, Schaufeln usw. wurden oft als Schlagwerk benutzt?
  • Angst vor Eimer und ähnlichen Gefäßen, die Verwendung als Trink- u. Futternäpfe fanden – Wurfmaterial, welches möglicherweise Schmerzen verursachte?
  • Angst vor Männer oder Frauen (bestimmte Statur, Stimme, Kleidung) – die Hunde verknüpfen es mit negativer Erfahrung.
  • Angst vor erhobenen Armen und Händen, hastige Bewegungen – Ergebnisse von körperlichen Strafe?
  • Angst vor Türen – bedeuten weggesperrt zu werden, wenn es mal nicht schnell genug ging, wurde da nachgeholfen? Bedeutet auch, “Türen bereiten Schmerzen”, ausbrechen ist zwecklos.
  • Angst vor Schmerzen – Schmerz macht gefügig, schreckt ab?
  • Warum verfallen viele dieser Hunde in eine Starre, fasst man sie unverhofft an?

Diese Liste kann man auf  Grund von Erfahrungen weiter fortsetzen. Ängste die noch nach Jahren auftreten, weil sich immer wieder neue, bis dahin nicht erlebte Situationen ergeben. Werden sie abgegeben oder auch “freigekauft”, sind es meist ‘alte Welpen’.  Erziehung kennen sie nicht, diese Mühe hat man sich nicht gemacht, Erziehung in unserem Sinn brauchten sie im Zwinger nicht.

Vor einigen Jahren, als wir die ersten ehemaligen Vermehrer-‚Zucht’hündinnen kennen lernten, haben wir sie oft mit Kaspar Hauser verglichen:
Auf Jahre weggesperrt führt sie der Weg in eine neue Welt, eine Welt, die viele von ihnen so nicht kannten. Eine Welt, die ihnen erst einmal Angst macht, sie müssen mit unserer Hilfe erst lernen mit dieser neuen ‚Angst’ fertig zu werden.

Ein weiterer Vergleich:

Jemand lebt über Jahre oder sein ganzes Leben im Urwald und siedelt um in unsere Welt, wie soll er alleine zurechtfinden? Ein solcher „Kulturschock“ ist unvermeidbar.

Viele müssen medizinisch versorgt werden, nicht selten fehlt sogar eine Grundimunisierung, Chips wurden nicht implantiert, die Kosten mussten niedrig gehalten werden.

      • Not-OP’s aufgrund vereiterter Gebärmutter
      • Gesäugetumore
      • Mangelerscheinungen aufgrund schlechter Ernährung
      • Ein nicht behandelter Kreuzbandriss
      • Zahn-OP, weil Zähne abgefault und abgebrochen waren
      • Entzündungen im Kiefer, oft durch eingewachsenene Holzsplitter
      • oftmals war eine normale Futteraufnahme kaum möglich
      • Hündinnen mit schwerster Arthrose, Spondylose und beidseitiger HD und ED

Angeborene Augenerkrankungen wurden über Jahre nicht behandelt, nicht selten erblinden diese Hunde

      Die Folge sind Tierarztrechnungen, die in einigen Fällen bis in den vierstelligen €-Bereich anfallen.

©2008- K. Müller, Retriever-Netzwerk