Amy + Cailin

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ehem. Zuchthündin bei einem Hobbyvermehrer
Rasse: Labrador Retriever *11/2004
Hintergrund: ehemalige ‚Zucht’hündin aus D
Ankunft Pflegestelle/Familie: Dez. 2010

 

Es ist Zeit, nach mehr als 4 Jahren über unsere Hunde zu berichten, irgendwie blieben sie immer auf der Strecke. Zu Unrecht, denn es sind ganz wunderbare Mädels.

Im Winter 2010, unser Josch, weltbester Labrador war 3 Monate vorher im Alter von 11 Jahren über die Regenbogenbrücke gegangen, stolperten wir in einem Internet-Portal über folgende Anzeige:

„Labradorhündin, 6 Jahre, für die Zucht tauglich, für 150,00 Euro zu verkaufen. Tel: xyz“

Das Foto zeigte eine nicht gerade fröhlich ausschauende, schwarze Labrador-Hündin, die unser Herz berührte.

Der Gedanke, dass ein Vermehrer für kleines Geld diese Hündin noch für ein paar Würfe kaufen würde ließ uns kaum schlafen. Ein kurzes Telefongespräch, ein kurzer Besuch und Amy wurde Teil unserer Familie. Ihre letzten Welpen wurden im Spätsommer geboren, waren alle für gutes Geld vermittelt.

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 ‚So schlimm sieht die Hündin nun auch nicht aus …‘ werden einige jetzt denken, das ist auch richtig, wir haben schon wesentlich Schlimmeres erlebt und gesehen. Amy kam ja ‚nur‘ aus einer Hobby’vermehrer’zucht, in den Anzeigen liest man dann nicht selten ‘… aus liebevoller Familienzucht …’

Im Februar und im September des gleichen Jahres hatte sie allerdings auch mit Welpen für die Aufbesserung des Familieneinkommens beigetragen, wie auch in den Jahren vorher. Schließlich hatte irgendwann, angeblich, ein TA der Familie bestätigt, dass diese Hündin ‚zuchttauglich‘ sei. Einen Impfausweis bzw. Impfungen hatte man dabei augenscheinlich vergessen. Auf unsere Nachfrage hieß es nur: ‚ …nein, einen Ausweis hat sie nicht, sie wurde nicht geimpft, sie ist doch gesund …‘

Hauptsache, die Hündin war als ‚zuchttauglich‘!? bezeichnet worden. Dass die Hüften und Ellbogen nicht in Ordnung sind, war für diese ‚Züchter‘ Nebensache. Sie war anscheinend eine gute Hundemutter und die Welpen brachten gutes Geld, viel Geld.

Amy kam aus einer ‚liebevollen Familienzucht‘, auch als Hobbyzucht bezeichnet. Meine Meinung: ein ‚Hobbyvermehrer‘ der den Trend der Zeit erkannte und umsetzte. Mit Labradoodle-Welpen kam man anscheinend mehr Geld zu verdienen als mit Labradorwelpen. Die Doodle-Welpen brachten, natürlich OHNE Papiere, € 850,00, die Labrador-Welpen dagegen nur € 450,00 ein.

Also wurde für die letzen Würfe der Königspudel von Bekannten, schließlich war es ein stattlicher Rüde, flugs zum Decken benutzt. Amy war gerade mal sechs Jahre und hatte nach Meinung unseres Tierarztes wesentlich mehr als 2-4 Mal Welpen.

Amy hat sich sofort und ganz wunderbar mit den beiden Hunden unserer Tochter, für die wir tagsüber Hundesitter sind, verstanden. Vier Tage zuvor war Cailin, 2,5 Jahre jung, dort eingezogen und teilte nun ihr Zuhause mit einem fast 12 Jahre alten Senior. Auch Cailin kam aus einer Vermehrer’zucht’ und wurde kurzerhand abgegeben, weil auch ihr letzter Wurf, angeblich waren es insgesamt zwei, mit drei Welpen nicht lukrativ genug war.

Drei so unterschiedliche Hunde, innerhalb von 4 Tagen zusammengeführt, die sich sofort verstanden, kann man nur als großen Glücksfall bezeichnen.

Sie folgten unserem TRIO, von dem nur noch Bogy, der Senior, lebte. Josch war 3 Monate zuvor über die Regenbogenbrücke gegangen, 1,5 Jahre nach Leavy, auch eine ehemaligen Vermehrer’zucht’hündin, die als Pflegehund im Alter von neun Jahren einzog und blieb.

Diese drei Fellnasen waren nun unser ABC, A für Amy, B für Bogy und C für Cailin.
Knapp zwei Jahre waren diese drei Fellnasen ein tolles Team, bis Bogy im September 2012 im Alter von fast 14 Jahren Josch und Leavy ins Regenbogenland folgte.

unser ABC

unser ABC

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Amy gibt Cailin die Sicherheit, die sie im Zwinger anscheinend nie kennenlernte. Cailin wurde nach Aussage der ‚Züchterin‘ im Alter von 5 Monaten von einer Familie abgegeben und von ihr übernommen. Sie lebte fortan mit anderen Hündinnen im Zwinger, produzierte Welpen, übrigens auch Labradoodle und wurde als unrentabel abgegeben.

Ich bezeichne Cailin, auch heute noch mit ihren mittlerweile 6 Jahren, als XXL-Welpe. Defizite aus der Prägephase hat sie teilweise nicht aufgeholt, ihr fehlt so vieles, was Hunde aus einer verantwortungsvollen Zucht und in einem Leben in der Familie aufweisen. Wir sind froh und dankbar, dass Amy ihr die Sicherheit gab und gibt, so dass sie doch wesentlich sicherer geworden ist. Tagsüber sind sie zusammen, spielen und wenn es nach Cailin ginge würden sie in den Pausen nur kuscheln.

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Amy und Cailin kommen sicherlich nicht aus den schlechtesten ‚Zuchten‘. Aber mit Ihnen wurde vermehrt, sie mussten Welpen produzieren, damit der Euro rollte.

Ob Hobbyvermehrer oder gewerblicher Vermehrer, die Hündinnen, aber auch die Rüden, werden von Menschen benutzt. Beide wurden für die Produktion von Doodle-Welpen benutzt, weil Doodle mittlerweile als Modehunde, als Designerdogs wesentlich mehr Geld einbringen als der „stinknormale“ Labrador Retriever oder Golden Retriever. Man macht sich Angaben wie „für Allergiker geeignet“ zu Nutze, der Profit ist dann wesentlich größer.

Wäre die ehemalige Halterin von unserer Amy noch ‚cleverer‘ gewesen, hätte sie als Deckrüde einen Zwergpudel oder einen American Cocker genommen und mit ihr Mini-Labradoodle- oder Mini-Labrador-Welpen produziert. Dann hätte sie noch mehr Euros für die Welpen verlangen können, denn für diese Mini-Labradoodle-Welpen erzielt man noch mehr Euros. Amy ist eine relativ kleine Labrador Hündin. GsD war sie so ‚clever‘ nun auch wieder nicht.

Doodle & Co., Mini-Züchtungen sind keine vom VDH und der FCI.be anerkannten Rassen. Es sind F1-Züchtungen, die das hergeben, so wie ‚Mutter Natur‘ es will. Mal sind die Gene des Rüden, mal die der Hündin, mal die der einen, mal die der anderen Rasse dominanter. Eine Garantie für das, was man mit dieser F1-Züchtung erreichen will gibt es nicht. Vor einigen Jahren hätte man ihnen z.B. im Tierheim keine oder kaum Beachtung geschenkt, sie wären als Mischlinge behandelt worden.
Diesen Designerdogs haben wir ein separates Thema gewidmet, lesen Sie hier.

Warum ich erst nach vier Jahre über unsere Amy, auch Amyline oder Frau Hu, sie kann so herrlich erzählen in ihrer HuHu-Hundesprache berichte? Es fehlte die Zeit, es war nicht leicht Amy zu beschreiben und Amy hat sich stetig weiter entwickelt. Mal schneller, mal langsamer, gewisse Strukturen hat sie auch nach vier Jahren noch nicht abgelegt. Heute ist sie in ihrem Verhalten anders als vor einem Jahr, als vor zwei Jahren und in der Zeit davor. Mit ehemaligen Vermehrer’zucht’hündinnen hatten wir Erfahrungen, aber mit einer Abgabe- bzw. ‘Zucht’hündin aus einer Familie, die Mittel zum Zweck war, stets herumgereicht wurde und völlig verunsichert war, hatten wir nur wenig Erfahrung. Man darf nicht vergessen, egal wie es vorher war, sie hat ihr Zuhause verloren, wurde von heute auf morgen abgeschoben, sie verstand ihre Welt nicht mehr und ja, sie hat mehr Zeit benötigt anzukommen, als wir erwartet haben. Wir haben ihr diese Zeit gegeben und das war gut so.

Pers. bin ein kein Freund von den unzähligen Anzeigen in den verschiedenen Internet-Portalen. Man kauft keinen Hund via Monitor, es gibt Tierheime, seriöse Tierschutzorganisationen und verantwortungsvolle Züchter. Das ist meine Meinung. Und doch kann eine Meinung auch einmal die Richtung wechseln. Wenn Sie auf der Suche nach einem Hund sind, geben Sie den Abgabehunden aus den unzähligen Internet Angebote eine Chance auf eine neue Familie, es lohnt sich. Damit sie nicht in Zwingern zur Welpenproduktion, auf unbestimmte Zeit, verschwinden.

Durch unsere Tierschutzarbeit schauen wir seit Jahren nach Anzeigen, wie denen, über die wir unsere Amy gefunden haben. So konnten wir so manchen Hund finden und Vermittlungshilfe leisten.

Wir wissen um die Not von Menschen, die sich von ihrem Hund, ihrem Freund aus den unterschiedlichsten pers. Gründen trennen müssen. Nur, bitte, wenden Sie sich an seriöse Tierfreunde und Tierschutzorganisationen und – vereine und bitten um Hilfe bei einer evtl. Vermittlung. Denn so können Sie die größtmögliche Sicherheit erlangen, dass Ihr Hund ein gutes, ein bestmögliches neues Zuhause findet. Der Gedanke, dass noch relativ junge, nicht kastrierte Hündinnen und auch Rüden in der Vermehrung verschwinden ist nicht so abwegig. Einige solcher Erlebnisse musste ich leider in den vergangenen Jahren erfahren. „Kostenlos, in gute Hände abzugeben“ liest man häufig. Kostenlos heißt für einen Vermehrer, an billiges Zuchtmaterial zu gelangen. Selbst nur ein Wurf rechnet sich.

Wer möchte dieses Leben für seine Hündin, für seinen Rüden, dass sie zum Zweck der Welpenproduktion noch für eine gewisse Zeit in irgendeinem Zwinger verschwinden? Das sind keine Einzelfälle, das kommt häufiger vor, als wir uns vorstellen können.

© 2015 K. Müller