Tracy


© S. Klan

Rasse: Labrador Retriever Mix
Alter: ca. * 2006
Herkunft: Eine Familie in Deutschland
Ankunft Retriever Netzwerk: Sept. 2008

TRACY – ‚billig‘ gekauft, leicht abgegeben?!

Wahrscheinlich entstammte TRACY einem klassischen ‚Nur 1x Welpen‘ Wurf, vielleicht kam sie aus der Vermehrung?
Vieles von ihrem labradoruntypischen Wesen, Verhalten und Aussehen deutet darauf hin – wobei sie uns als Labrador ‚angeboten‘ wurde.
Allerdings spielte das für uns nun auch keine Rolle – dass dieser Hund Hilfe benötigte stand außer Frage. Ihrer ersten Familie wurde sie nach ‚Berichten‘ bereits nach fünf Monaten ‚zu viel‘, ihre zweite Familie, von der wir Tracy übernahmen, kümmerte sich in den nächsten zwei Jahren offensichtlich auch wenig um sie, gab sie schließlich auch ab.

Unterernährt, medizinisch unversorgt, unerzogen, ungehalten, unsicher, ‚unberechenbar‘, nicht in der Lage ein Leben in einer ‚normalen‘ Pflegefamilie zu wagen – in diesem Zustand haben wir TRACY im September 2008 aus einer Familie übernommen.

© S. Klan

Wieso Tracy dazu nicht in der Lage war? Dieser Hund stand bis in die Spitzen der Fellreste, die ihr aufgrund eines wohl über längere Zeit unbehandelten Milbenbefalls geblieben waren, derart unter Stress, dass sie in der Pflegestelle nicht zur Ruhe kam und von Tag zu Tag weniger zu händeln war.

Tracy glich eher einem Pulverfass, als einem in sich ruhenden Vertreter ihrer Art. Ihr war scheinbar alles zu viel, sie wusste sich nicht zu verhalten, ging vor lauter Unsicherheit immer mehr auf Abwehr.

Wir waren uns einig, dass dieser Hund zu allererst einmal Ruhe brauchte, einen cooldown eben, bevor wir denn eine Ahnung davon bekommen sollten, wo ihre ‚Baustellen‘ lagen, warum sie sich so verhielt und wie sie behutsam in ihr neues Leben begleitet werden konnte.

Diese Ruhe sollte TRACY in einer Tierpension bei einem verhaltenspsychologisch arbeitenden Trainer finden und dort die ersten Schritte in ein neues Leben machen.

 Und TRACY machte riesen Schritte, entwickelte sich zu einer fröhlichen Hündin, wenn auch ihre Herkunft und die Erfahrungen ihrer ersten 2 ½ Lebensjahre ihre Spuren hinterlassen haben, zeigte sich doch, dass sie nicht viel gelernt hatte, weder im Umgang mit Artgenossen, noch Menschen, sie Schwierigkeiten hat zur Ruhe zu kommen, ein echter ‚Zappelphillipp‘ auf vier Pfoten ist.

Nach 12 Wochen intensivem Training und einem ebenso intensiv begleiteten mehrwöchigem Vermittlungsprozess, zog TRACY Ende 2008 bei ihrer neuen Familie  ein.
Leider nicht von langer Dauer – aufgrund nicht vorhersehbarer beruflicher Veränderung und damit verbundener mangelnder Zeit wurde sie im März 2009 wieder an uns zurückgegeben und erneut in der ihr bekannten professionellen Pflegestelle untergebracht, wo entsprechend mit ihr weitergearbeitet wurde.

Tracy’s mangelnder Impulskontrolle und niedriger Frustrationstoleranz wurde weiterhin ein positiv verstärkendes Training mittels Clicker und Markerworten ‚entgegengesetzt‘  und sie machte weiter Fortschritte, lernte in Windeseile und mit Begeisterung Alternativverhalten.

Dennoch gab es ‚Rückschläge‘ in ihrem Verhalten, die sich wie wir vermuteten auf eine Funktionsstörung der Schilddrüse sowie auf hormonelle Schwankungen aufgrund eines sehr kurzen Zyklus zurückführen ließen. Die Gabe entsprechender Medikamente und eine Kastration, die eine Veränderung der Eierstöcke zeigte, brachten die Bestätigung unserer Vermutungen und weitere Erfolge, veränderten Tracy’s Verhalten zusätzlich positiv.

Im Oktober 2009 fanden wir für unsere TRACY dann endlich die entspannten und souveränen Menschen, die ihr ein ruhiges Heim & Leben bieten und die mit ihr weiter in Richtung Ruhe & Entspannung arbeiten.

 TRACY ist eine traumhafte Begleiterin auf traditionellen Spaziergängen in Feld & Flur – ebenso auf der Couch ;-) .

Eine actionreiche ‘Belustigung’ braucht sie genauso wenig, wie strengen Kadavergehorsam – für eine positive Bestärkung tut sie hingegen (fast) alles.

©2009 Sandra Müller, Retriever-Netzwerk